7. Juni 2017

Blindes Vertrauen

© SCM Hänssler

Regie: Dylan Baker
Land / Jahr: USA 2014












Travis (Mark Hapka) bringt alle Voraussetzungen mit, um nach dem High-School-Football die nächste sportliche Ebene zu erreichen. Doch dann erkrankt er an einem sehr seltenen Virus und verliert über Nacht sein Augenlicht. Die Welt bricht für den jungen Mann zusammen, doch Coach Farris (Stephen Lang) will ihn noch einmal aufs Feld schicken.

Videobeweis im Abspann
Footballspielen ohne sehen zu können: Das ist schwierig, wenn überhaupt vorstellbar. Coach Farris und Travis versuchen es. Sie finden einen Platz im Team für den Jungen ohne Augenlicht. Der Weg dahin ist mehr als beschwerlich. Denn Travis muss im ersten Filmdrittel erst einmal das überraschende Schicksal über sich ergehen lassen, verliert völlig sein Selbstvertrauen.
Das sind hier keine Super-Schauspieler, aber die darstellerischen Leistungen der kompletten Cast sind ordentlich. Besonders Mark Hapka in der Rolle des erblindeten Travis weiß zu gefallen. Regisseur Dylan Baker macht mit dem extrem schlanken Budget von einer Million Dollar einen Sportfilm, der alles andere als bilig aussieht. Großartige inszenatorische Ideen gibt es nicht, dafür aber souveränes Grundhandwerk.
Doch es ist schwierig zu glauben, was da passiert. Noch unglaublicher dann der Fakt, dass diese Geschichte nicht frei erfunden ist, sondern auf einem echten Schicksal basiert. Aber das ist nicht nur Hollywood-Fiktion: Die Story des blinden Footballspielers hat sich tatsächlich in Kentucky ereignet. Videomaterial dazu gibt es im Abspann des Filmes zu sehen, wenn Travis nach seiner Erblindung mit der Mannschaft aufs Spielfeld läuft.

Gedreht an Original-Schauplätzen
Natürlich ist es eine besondere Aufgabe für einen Filmemacher, einen Film wie diesen geschmackvoll und frei von Pathos zu inszenieren. Eine Hürde, die Dylan Baker nicht so richtig zu nehmen weiß. Ja, geschmackvoll ist das, aber leider gibt es auch einige sehr pathetische Momente. Mitunter wirkt "Blindes Vertrauen" wie einer dieser weißgewaschenen Disney-Filme, die ohne jegliche Kritik einen Außenseiter feiern.
Die Szenen in denen Football gespielt wird, wirken demnach auch sehr optimiert, aber wenigstens überspannt Baker die Dramatikkurve nicht zu sehr, sodass nie das Risiko besteht, ins Lächerliche abzudriften. Die Entscheidung, die meisten Szenen an Original-Schauplätzen in Corbin, Kentucky, zu drehen hat mehr Charme als der übliche CGI-Quatsch, der für viele Millionen Dollar produziert in den Kinos gezeigt wird.
"Blindes Vertrauen" ist ein netter kleiner Sportfilm mit einer sehr humanen Message. Die Inszenierung ist zwar frei von Ideen, dafür aber auch von Fehlern. Es geht Regisseur Dylan Baker nur darum, die Geschichte des blinden Footballspielers zu erzählen und ohne irgendwelchen Schnickschnack davon abzulenken. Ein bisschen weniger Pathos wäre dann aber doch besser gewesen - ist aber beim Filmschauen noch zu verkraften.

Fazit: 50 %

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