6. Juni 2017

Headshot

© Koch Media

Regie: Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto
Land / Jahr: Indonesien 2016












Ishmael (Iko Uwais) wird mit einer Kugel im Kopf am Strand gefunden. Ärztin Ailin (Chelsea Islan) schafft es zwar ihm das Leben zu retten, doch er kann sich an nichts mehr erinnern. Als Ailin von einer gnadenlosen Killerbande entführt wird, wird Ishmael zur rasenden Bestie und macht Jagd auf die Verbrecher.

Auf der Landkarte der Action-Filme
Mit seinen beiden mega-unterhaltsamen Martial-Arts-Filmen "The Raid" und "The Raid 2" hat Regisseur Gareth Evans Indonesien auf die Landkarte der Action-Filme gebracht und aus seinem Hauptdarsteller Iko Uwais einen Filmstar gemacht - Uwais spielt beispielsweise eine Rolle in "Star Wars: Das Erwachen der Macht". Die Gründe für den Erfolg seiner Filme sind nicht nur die sehr gut choreografierten Kampfszenen, sondern auch eine zwar einfache, dafür aber wasserdichte Story, eine tolle Atmosphäre, filmtechnisch ein hohes Niveau sowie ein sehr hohes Gewaltlevel.
Und genau an diesen Attributen orientiert sich ohne jegliche Umschweife auch "Headshot". Diesmal hatte aber nicht Gareth Evans, sondern die beiden Filmemacher Kimo Stamboeln und Timo Tjahjanto das Sagen. Die Hauptrolle spielt aber wieder einmal Iko Uwais, ohne den das indonesische Action-Kino überhaupt nicht existiert.
Wieder einmal wird eine nette kleine Geschichte erzählt, die ein paar Wendungen liefert. Wieder einmal ist das zwar keine tolle Story, aber es kommt nicht das Gefühl auf, dass die Geschichte nur Mittel zum Zweck ist - und das obwohl die Kampfszenen locker 80 Prozent der knapp zweistündigen Spielzeit einnehmen.

Einmal vorne, einmal hinten
In einem Aspekt kann "Headshot" den beiden "Raid"-Filmen aber nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen: Kimo Stamboeln und Timo Tjahjanto inszenieren zwar souverän und mit einem sehr hohen Tempo, aber das filmtechnische Niveau von Gareth Evans erreichen sie nur in ganz wenigen Momenten, wenn man sich beispielsweise an die fantastische Kamerafahrt auf der Autobahn gegen Ende von "The Raid 2" erinnert - so etwas Feines gibt es in "Headshot" nicht. Qualitativ liegt der Kopfschuss also merklich unter den großen Vorbildern.
In einem anderen Aspekt legen die Stamboeln und Tjahjanto aber noch einen höheren Gang ein: Das Gewaltlevel erreicht für einen Actionfilm neue Höhen. Unzensiert gibt es den Film nur mit einer "SPIO/JK"-Freigabe, aber es ist überaus erstaunlich, dass "Headshot" überhaupt ohne Schnitte in Deutschland erscheint. Denn gerade bei den Kampfszenen haben die Filmemacher jede Menge Einfallsreichtum bewiesen: Wenn beispielsweise eine Machete von unten durch eine Tischplatte getrieben wird und dann der Gegner mit dem Kopf auf den Tisch gehämmert wird, wobei sich die Klinge durch seinen Hals bohrt, dann hat das derbstes Splatterfilm-Niveau. Und von solchen Momenten gibt es einige in "Headshot".
Trotz seiner knapp zwei Stunden, die größtenteils aus Hauer- und Schießereien bestehen, ist "Headshot" sehr kurzweilig geworden. Das Tempo ist durchgehend hoch und die Schnitte niemals so schnell, dass kämpferisches Unvermögen kaschiert werden muss - denn nicht nur Iko Uwais, sondern auch die anderen Darsteller haben es vor allem physisch drauf. Martial-Arts-Fans kommen hier auf ihre Kosten, allerdings sollte man kein Blutphobiker sein, denn das wird hier in rauen Mengen über die Leinwand verschüttet.

Fazit: 65 %

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