3. Juli 2017

Cool Runnings

©Buena Vista

Regie: Jon Turteltaub
Land / Jahr: USA 1993












Der unkonventionelle Trainer Irv (John Candy) hat eine wahnwitzige Idee: Jamaikanische Sprinter könnten auch gute Bobfahrer sein. Um an den Olympischen Winterspielen teilzunehmen, probieren sich ein paar Jungs von der Reggae-Insel in der Wintersportart aus - ohne jemals in ihrem Leben echten Schnee gesehen zu haben - und fahren zu den Spielen 1988 ins kanadische Calgary.

Das Militär macht Disney Angst
Eine Bob-Mannschaft aus Jamaika bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary ist absurd? Das hat es aber wirklich gegeben - beziehungsweise gibt es immer noch. Seit dem bestenfalls semi-professionellen Auftritt in Calgary starteten die Jungs von der Karibik-Insel regelmäßig in der für ihre Wetterlage äußerst merkwürdigen Sportart.
Aber Disney hat dennoch ordentlich an der Wahrheit geschraubt, denn die Ausgangssituation der Geschichte ist so gar nicht Disney-like. Damals fanden die Sprinter die Idee der jamaikanischen Bob-Mannschaft weniger toll und so castete man sich beim Militär ein Team zusammen. Das ist dann schon etwas weniger romantisch.
Dennoch ist das Grundkonzept sehr interessant und wirklich schön umgesetzt. Regisseur Jon Turteltaub versteht es, den Kontrast zwischen der sonnigen Feel-Good-Insel und der farbenfrohen Karibik-Kleidung in Kontrast zu setzen mit dem nicht nur temperaturtechnisch kühlen Sport. Als die Mannschaft in Kanada ankommt ist der Film nicht weniger schön, dafür aber wesentlich steriler geworden. Und mittendrin die Bob-Mannschaft aus Jamaika.

Das geht über eure Vorstellungskraft
Das Fantasy-Team macht auch jede Menge Spaß. Angeführt von einem - wie so oft - witzig-zynischen John Candy - der übrigens Kanadier war -, ist die Mannschaft zusammengesetzt aus einem Spitzensportler, einem Muttersöhnchen und zwei Verrückten. Die Sache mit dem Glücksei ist witzig, das Kopieren der Erfolgsmannschaften ebenso. Hier sei angemerkt: Nur in der deutschen Version sprechen die Jamaikern diesen Schweizer-Dialekt beim Anschieben des Bobs mit "Eins ... zwöi ... drü", in allen anderen Fassungen sprechen sie Hochdeutsch.
Das Schöne an "Cool Runnings" ist, dass es nicht wie immer darum geht, am Ende zu gewinnen. In anderen Sportfilmen kommt der olympische Gedanke "Dabei sein ist alles!" bei Weitem nicht so ehrlich rüber wie hier. Und das kurze Lied "Das geht über eure Vorstellungskraft, Jamaika hat eine Bob-Mannschaft", geht nie wieder aus dem Kopf.
"Cool Runnings" spielt zwar zur Hälfte in der Kälte, dafür ist diese märchenhafte Version der Sporthistorie mit einem großen Herzen gesegnet. Der Film macht Spaß, weil seine Figuren Spaß machen und glücklicherweise tendiert Turteltaub niemals auch nur im Geringsten dazu, geschmacklos zu werden. Eine freundlicher Sport-Film für die ganze Familie. Wenn auch weit weg von der Realität.

Fazit: 70 %

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