29. Juli 2017

Dunkirk

© Warner

Regie: Christopher Nolan
Land / Jahr: USA 2017












Die Schlacht von Dünkirchen scheint nur einen Sieger zu kennen: Die Streitkräfte der Alliierten haben gegen die deutschen Armeen keine Chance. Für die Soldaten zählt nur eins: In einem Stück nach England zu kommen. Britische Fischerleute brechen Richtung französischer Nordküste auf, um ihre Soldaten zu retten.

Goliath geht zu Boden
Normalerweise erzählen Kriegsfilme von großen Kämpfen. Von heroischen Siegen oder vernichtenden Niederlagen. Doch für gewöhnlich ist eine Evakuierung nicht das zentrale Element eines Kriegsfilmes. Star-Regisseur Christopher Nolan nimmt sich der wenig rühmlichen Schlacht an der französischen Nordküste an.
Letztendlich geht es darum, Leben zu retten. Die jungen Männer in Richtung Großbritannien zu befreien. Heldenhaft holt Fliegerass Farrier (Tom Hardy) einen Nazi-Flieger nach dem anderen vom Himmel. Doch dabei unterschlägt Nolan dem Zuschauer die bittere Wahrheit: Die Alliierten waren dem Deutschen Reich bei Dünkirchen zahlenmäßig mit 1,2 Millionen zu 800.000 Soldaten weit überlegen, hatten Zerstörer und Geschütze im Kampf. Trotzdem verloren die Alliiierten fünfmal so viele Soldaten sowie 2500 Geschütze, 200 Schiffe, 9 Zerstörer, 177 Flugzeuge, 64.000 Fahrzeuge und fast alle Panzer. Dem gegenüber stehen 100 deutsche Panzer und 132 deutsche Flugzeuge. Nicht die Kleinen haben diese Schlacht verloren, sondern die Großen.

Namenlose Krieger
Aber um Inhalte geht es Nolan leider weniger in seinem Schlachtenepos. Es geht um die Gräuel des Krieges. Es geht um die vernichtende Macht von Bomben, die er eindrucksvoll inszeniert. Es geht darum, dass Soldaten auch nur Menschen sind und keine seelenlosen Tötungsmaschinen. Letzteres heißt aber nicht, das der Zuschauer mit einzelnen Figurn mitfühlt. Selbst zwei Minuten nach Filmende, wird sich kaum jemand auch an nur einen einzigen Namen einer Figur erinnern.
Es geht hier darum den Menschen als fühlendes, ängstliches und empathisches Wesen zu zeigen. Und die Bedrohung ist in "Dunkirk" fast ebenso groß wie in "Der Soldat James Ryan". Technisch holt der Filmemacher wirklich alles aus dem Medium raus, was ihm zur Verfügung steht, um die einseitige Schlacht möglichst intensiv und bedrohlich zu gestalten.
Gerade in Hinsicht auf Tonschnitt und Schnitt hat Nolan einen seiner besten Filme abgeliefert. Kein Schnitt ist willkürlich, unmotiviert oder generisch. In jeder Einstellung ist ein intelligentes und perfekt funktionierendes Konzept zu erkennen. Handwerklich ist "Dunkirk" alleroberste Qualität. Und auch die anderen Departments wie Kamera, Ausstattung oder Kostüme haben ihr Bestes gegeben.
In diesem für Nolan-Verhältnisse mit 106 Minuten Laufzeit sehr kurzen Film demonstriert der Autorenfilmer einmal mehr, dass er was Filmsprache und Technik betrifft zu den allergrößten lebenden Regisseuren gehört. Doch leider distanziert sich das Drehbuch viel zu sehr von seinen Figuren und zeigt sie mehr als Menschen-Masse denn als Individuen. Unter dem Strich ist "Dunkirk" in Nolans bisheigem Oeuvre einer seiner schlechteren Filme - aber unterhalb von sehr gut arbeitet der Mann auch gar nicht.

Fazit: 75 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen