13. August 2017

Over the Top

© Kinowelt

Regie: Menahem Golan
Land / Jahr: USA 1987












Trucker Lincoln (Sylvester Stallone) hat seinen Sohn Michael (David Mendenhall) seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Doch nicht nur die Zeit steht zwischen den beiden: Michael geht auf ein Elite-Internat, während sich sein Vater gerade einmal ein einfaches Leben leisten kann. Doch die Weltmeisterschaft im Armdrücken könnte Lincoln zu einem reichen Mann machen.

"Sylvester Stallone's Muskelspiel"
Wow, was für eine Story. Mehr 80er geht nicht. Obwohl das auch ein wenig unfair formuliert ist, schließlich hat der einzige Armdrücker-Film der Welt schon damals nicht so recht den Geschmack der Zuschauer getroffen und das Budget von 25 Millionen Dollar nicht eingespielt. Würde hier nicht Sylvester Stallone die Hauptrolle spielen, dann wäre dieser Film schon lange in Vergessenheit geraten.
Im deutschen Fernsehen wurde der Titel "Over the Top" noch getoppt und immer wieder gerne mal um reißerische Zusätze erweitert wie "Mein Daddy schlägt sie alle" oder noch viel schlimmer und mit Deppenapostroph garniert: "Sylvester Stallone's Muskelspiel". Billiger kann man Zuschauer gar nicht vor die Bildschirme locken.
Aber immerhin setzt man auf das richtige Pferd: Für die Hauptrolle passt Stallone so gut wie kaum ein anderer. Nicht nur, dass viel Wert auf ordentlich Schweiß gelegt wird, der die Muskeln besonders groß und glänzend aussehen lässt - im Gegensatz zu modernen Actionfiguren, die alles mit Leichtigkeit machen und deswegen gar nicht mehr schwitzen. Auch das Truckerleben passt hervorragend zu Sly.
Ihm gegenüber steht sein Klugscheißer-Sohn Michael, der zu Anfang des Filmes in seiner Uniform richtig arrogant rüberkommt. Und auch wenn David Mendenhall, der während der Dreharbeiten 15 Jahre alt war, auch gerne mal overacted, so ist die Goldene Himbeere, die er für diesen Film als schlechtester Nebendarsteller erhalten hat, doch ein bisschen unfair.

Schön dick aufgetragen
Eigentlich ist "Over the Top" ein Familiendrama. Unterschichten-Vater trifft verlassenen Sohn und muss sich ihm annähern, da seine Frau und Mutter des gemeinsamen Kindes im Sterben liegt. Menahem Golan findet so richtig Gefallen daran, schön dick aufzutragen. Aber erstaunlicherweise ist dieser ganze Kitsch nicht nervig, sondern irgendwie sympathisch.
Die seltenen Armdrück-Szenen wirken allerdings konstruiert. Als hätte jemand gesagt: Wir haben Sly, lasst uns jetzt nachträglich noch auf irgendwie Muskeln und Action reinpacken. Und bevor das Macho-Event in Las Vegas steigt, gibt es nur ganz wenig Armdrück-Momente. Erst im Finale kommt dann ein bisschen Turnier-Stimmung auf.
Und dann wird es auch so richtig 80er-mäßig. Mit Synthie-Pop unterlegte Montagen. Knappe Kämpfe, bei denen aber imme derjenige gewinnt, der spektakulärer aussieht. Und alles läuft auf ein, ab der ersten Sekunde an, absehbares Finale hinaus. Aber trotzdem aller Klischees: Auch hier kommt eine gewisse Stimmung auf.
"Over the Top" ist ein ganz besonderer Film in der umfangreichen Filmografie von Action-Star Sylvester Stallone, der hier auch mal seine sentimentale Seite zeigen darf - und sich selbst den Film viel düsterer vorgestellt hätte, wie man im Nachhinein erfahren durfte. Wer aber auf schmierig-kitschige 80s-Stimmung steht, der wird trotz aller Fremdschämmomente auch mit "Over the Top" eine Menge Spaß haben - allein schon aufgrund des hohen Skurrilitätfaktors.

Fazit: 50 %

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